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LWL-Freilichtmuseum Hagen

Spontan den Sonnenschein nutzen und raus in das Freilichtmuseum

Da wir ja den heißesten Sommer aller Zeiten haben und Herr Lauterbach, seines Zeichens Chefclown in Berlin, vor den vielen Hitzetoten warnt, wollten wir dennoch das Risiko eingehen und den gestrigen Sonnenschein für einen Ausflug nutzen. Wären wir nicht im Juni in Kroatien gewesen, könnte man unsere Bräune eher für Rost halten.

Jeder Schüler in Nordrhein-Westfalen kennt wohl das Freilichtmuseum in Hagen, wo schon vor fünfzig Jahren die Klassenfahrten hingingen. Auch Heike und ich wurden zu unseren Schulzeiten in dieses Museum “verschleppt”. Heute sieht man das natürlich mit anderen Augen und so entschlossen wir uns, nach über 40 Jahren (jaja, so lange ist die Schuler schon her) mal wieder nach Hagen in das Freilichtmuseum zu fahren.

Und ganz ehrlich: Bereut haben wir diese Entscheidung nicht. Es war ein sehr angenehmer Ausflug, der zudem noch lehrreich ist. Gern werden wir hier noch einmal vorbei schauen.

Gerade mal 50 km von Bochum entfernt waren wir schnell am Zielort und wurden von einem großen kostenlosen Parkplatz mit ebenfalls kostenlosen Toiletten vor dem Eingang begrüßt. Das fing ja schonmal gut an.

Im Eingangsgebäude erwerbt ihr bei den netten Damen an der Kasse eure Eintrittskarten, die mit 8,00 € pro Erwachsenen nicht zu teuer sind. Selbstverständlich kann hier auch mit Karte gezahlt werden. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben sogar freien Eintritt. Das ist schon einmal sehr lobenswert.

Kleiner Spartipp: Wenn ihr Spaß an solchen Ausflügen zu den verschiedenen Museen in NRW habt und weitere Trips plant, dann kauft euch die LWL-Museenkarte für 40,00 €. Damit kommt ihr ein ganzes Jahr lang beliebig oft mit 2 Personen in 35 Museen in NRW. Darunter auch das bekannte Xanten oder viele andere Freilichtmuseen und Industriedenkmäler. Die Karte bekommt ihr an den Kassen jedes Museums.

Im Gebäude ist auch ein Shop mit interessanten Waren integriert, wo ihr neben dem üblichen Souvenierkram auch die im Museum hergestellten Artikel erwerben könnt. Doch dazu später mehr. Für die Leseratten gibt es viele interessante Bücher, die die Region und ihre Entwicklung beschreiben. Auch Koch- und Backbücher mit regionalen Rezepten sind vertreten.

Anschließend geht es circa 300 Meter über einen gepflegten Weg zum Haupteingang des Freilichtmuseums, wo auch die Eintrittskarten kontrolliert werden. Schon von hier aus erahnt man die enorme Größe des Geländes, welches es zu erkunden gilt.

Damit ihr sehen könnt, wie riesig das Gelände wirklich ist und welche Attraktionen und Besichtigungsobjekte es euch bietet, findet ihr unten den Lageplan des Museums.


Angesichts der hohen Temperaturen am gestrigen Tag und des Riesengeländes schwante uns nichts Gutes, denn wir hatten fast nichts zu trinken eingepackt. Aber keine Sorge: Auf dem Museumsgelände gibt es insgesamt vier Stationen, die für das leibliche Wohl sorgen. Hier muss niemand verdursten oder verhungern.

Wir müßen gestehen, dass wir es gestern nicht geschafft haben, uns alle Objekte und Häuser anzuschauen und werden auf jeden Fall nochmal hierhin kommen, um den Rest zu sehen. Aber nur nicht deswegen, sondern weil sich ein Besuch immer lohnt. Sei es wegen der schönen Landschaft, dem Ambiente oder des guten Essens.

Also machten wir uns auf, die kleine Stadt zu erkunden. Als erste Station erwartete uns die “Lohmühle und Haubergswirtschaft“, wo man sich sehr detailliert über die Lederherstellung informieren kann.

Viele uns unbekannte Fakten über die Komplexität und dem Aufwand zur Herstellung eines guten Leders waren uns nicht geläufig. Genauso wie die Tatsache, dass die damals vergebenen Parzellen für die Haubergswirtschaft noch heute Gültigkeit haben und die meisten Besitzer ihre Eigentumsrechte auf keinen Fall aufgeben wollen.

Diese Art der Lederherstellung und die Haubergswirtschaft wurde noch bis weit in das 20. Jahrhundert praktiziert. Solche interessanten Fakten erfährt man überall in den verschiedenen Objekten und Ausstellungen des Museums.

Für den technisch und handwerklich angehauchten Besucher ein Quell an neuen Informationen.

Weiter ging unsere Exkursion über die Schellenschmiede, der früheren Friseurkunst, Bürstenmacherei und Rohrflechterei hin zur Messingschmiede. In einigen Häusern wird gearbeitet und man live der alten Handwerkskunst zuschauen. Die hier erstellten Produkte werden im Kolonialwarenladen und im Museumsshop zum Kauf angeboten. So konnten wir einem blinden Bürstenmacher bei der Arbeit zusehen, der uns gern die verschiedenen Borstenqualitäten (Ziege, Schwein ect.) erklärte.

Beeindruckend ist auch die Kupferschmiede, wo man den Schmied ebenfalls live bei seiner Arbeit beobachten kann. Hier kann man die Herstellung der alten Kupfergefäße und -krüge sowie Kupferprägungen bewundern.

Oben ein paar Impressionen: Das Westfälische Pferd am Eingang der Kupferschmiede besteht komplett aus Kupfer. Viele der eingesetzten Maschinen wurden per Wasserkraft angetrieben, was den Tüftlern immer wieder neue Ideen entlockte, wie man diese Kraft noch effizienter nutzen konnte.


Nach dem schönen Weg am kleinen Stausee vorbei stellte sich so langsam Hunger ein. Durst hatten wir aufgrund der Temperaturen sowieso schon und so entschlossen wir uns, im Restaurant “Museumsterrassen” einzukehren. Diese Entscheidung haben wir nicht bereut, denn das westfälische Gericht “Potthucke mit Speckstippe” ist total lecker. Wer es nicht kennt: Eine Art Kartoffelpuffer, aber als ganze Teigfläche auf dem Blech im Ofen überbacken und mit in der Pfanne knusprig angebratenen Speckwürfeln übergossen. Sehr würzig und schmackhaft – ganz klar unsere Empfehlung. Die Preise sind ebenfalls moderat und erträglich.

Frisch gestärkt ging es weiter und wir schauten bei der Beil-, Kleineisen- und Bohrerschmiede vorbei. Natürlich wurde auch die Feilenhauerei mitgenommen, denn es ist schon interessant, zu sehen, wie früher so eine Feile entstanden ist und wieviele Arbeitsgänge dafür benötigt wurden.

Im Hammerwerk wurden wir sehr nett empfangen und erhielten eine ausführliche Erklärung zur Schmiedekunst an Federhämmern. Wir durften miterleben, wie z.B. ein Vierkantnagel handgeschmiedet wird und warum diese selbst zur heutigen Zeit immer noch nur durch Handarbeit entstehen. Das Warum wollen wir hier aber nicht beantworten, denn das erfahrt ihr lieber selber bei eurem nächsten Besuch im Freilichtmuseum.

Von dem freundlichen Mitarbeiter im Hammerwerk erhielten wir auch den Tipp, ab dem Gebäude nicht der normalen Ausschilderung zu folgen, sondern rechts die asphaltierte Straße zu nehmen. Diese ist bei Sonne überwiegend im Schatten und führt mit leichter Steigung ganz nach oben. Nimmt man den normalen Weg wird es doch teilweise sehr steil und anstrengend. Auf dem asphaltierten Weg kommt man ganz entspannt an und arbeitet sich bei den Häusern umgekehrt von oben nach unten. Denn runter ist immer leichter als bergauf. Der nette Mann hatte vollkommen recht, wie wir bei der Wärme feststellten konnten.

Auf den Bildern oben könnt ihr die alte Windmühle sehen, die am höchsten Punkt der Anlage steht. Daneben sehr ihr den größten Dorfteil des Museums mit Brauerei, Brennerei und Kolonialwarenladen sowie Fleischerei. Unten rechts ist das Deutsche Schmiedemuseum im Bild.


Oben angekommen besichtigten wir noch die Windmühle, die Seilerei, Optikerwerkstatt und Uhrmacherei. Auch die Ausstellung zur Imkerei standen noch auf unserem Programm. Im Bäckereiladen kauften wir uns die aus der eigenen Museumsbäckerei stammenden Brote, die wirklich sehr lecker und kein Vergleich mit dem industriell gefertigten Broten sind. Hier merkt man noch die traditionelle Herstellung.

Wir alten Leute kamen dann überein, dass wir wegen der doch sengenden Sonne die heutige Exkursion an dieser Stelle beenden und lieber noch einen zweiten Tag kommen wollen, um den Rest zu sehen. Also nochmal schnell die Räucherei und die Brennerei besichtigt und dann auf ein kühles Getränk in die Brauerei eingekehrt.

Aber Halt, ohne einen Besuch im Kolonialwarenladen können wir doch nicht gehen. Hier findet man allerlei Produkte, die in den Museumsbetrieben hergestellt werden und die angeschlossene “Fleischtheke” bietet leckere Waren aus der gegenüberliegenden Räucherei an. Die Pfefferbeißer und Mettenden sind Weltklasse. Die Preise angemessen und wir versorgten uns gut mit leckeren Dingen.

So schwer beladen machten wir uns auf dem Rückweg. Vorbei an den kleinen Bächen und den Stauwehren ist selbst dieser Weg zum circa 2,5 km entfernten Parkplatz ein kleines Erlebnis in der reinen Natur.

Besonders bemerkenswert sind die vielen Bänke, die zu einem kleinen Zwischenstopp zur Erholung einladen. Mülleimer (alle mit integrierten Aschenbecher) sind ebenfalls im Überfluss vorhanden, was den Gesamteindruck zusätzlich verstärkt. Wir haben selten so eine gepflegte und müllfreie Anlage gesehen. Hier wird tatsächlich auf Sauberkeit geachtet.

Nachdem wir am Parkplatz angekommen sind, entdeckten wir die “Käse Deele“, die ein paar Meter ausserhalb des Museumsgelände liegt. Natürlich sind wir rein und fanden hier sehr schmackhafte hausgemachte Käsesorten, die wir alle vorher auch probieren durften. Unsere Favoriten sind der Bier- und der Zwiebelkäse, die einen herrlich würzigen Geschmack haben. Frische Kuhmilch und andere Milchprodukte sind auch erhältlich. Wer mag, kann den angeschlossenen Kuhstall und die Käserei kostenlos besichtigen.

Mit zur Käse Deele gehört eine kleine Restauration mit sehr guten Preisen. Wo bekommt man noch Currywurst mit Pommes für 5,50 €? Eine nette freundliche Verkäuferin rundet hier das Gesamtbild positiv ab.

Fazit: Hier waren wir nicht das letzte Mal! Das LWL-Freilichtmuseum Hagen ist immer einen Besuch wert und das nächste Mal besichtigen wir alle Sachen, die wir gestern ausgelassen haben.


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Mittlerweile im zarten Alter von 63 Jahren habe ich im Laufe meines Lebens einige Orte auf der Welt kennen und lieben gelernt. In meinen Berichten möchte ich euch die Gelegenheit geben, meine persönlichen Eindrücke zu den verschiedenen Zielen zu erfahren. In den letzten zwanzig Jahren werde ich auf meinen Reisen, Kurztripps und Ausflügen von meiner Frau Heike begleitet. Vielleicht ist ja die eine oder andere Anregung für einen erholsamen Urlaub für euch dabei.

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